Reflektierte, analytische Persönlichkeiten stehen häufig vor einem Problem.Einem Problem, das mit zunehmender Intelligenz häufig größer wird:
Sie kommunizieren klar, strukturiert, differenziert und logisch – aber erreichen damit nicht die gewünschten Effekte.
Oft kommt es ihnen so vor, als wollte das Gegenüber sie nicht verstehen. Ignoranz – ein enormer Trigger für reflektierte Analytiker. Denn für sie ist die die Wahrheit enorm wichtig.
In diesem Artikel gehen wir die zu Grunde liegenden Denkfehler durch und schaffen eine Basis für zielgerichtete Kommunikation, die ankommt und wirkt. Dafür bekommst Du ein alltagstaugliches Modell und praktische Beispiele sowie einen Praxisguide zum Download.
Der Denkfehler
Die interne Annahme: Wenn ich nur akkurat genug kommuniziere, muss es jeden erreichen, weil es wahr ist.
Der Trugschluss: Nicht jedem ist die Wahrheit wichtig.
Und, wenn wir sogar kurz ins Dramatische abdriften: Den allermeisten Menschen ist eine bequeme Lüge lieber als eine wenige bequeme Wahrheit. Diese Wahrheit muss nicht einmal hart sein – es kann schon reichen, dafür komplexer denken zu müssen.
Vielleicht bemerkst Du die Krux schon: Während Du als Analytiker gerne komplex denkst – es ist ein Teil von Dir – vermeiden viele andere Personen genau das um jeden Preis. Denn es ist energieintensiv und Energiesparen war viele Jahrtausende durchaus ein evolutionär sinnvolles Programm.
Was passiert hier also?
Der reflektierte, intelligente, denkbegeisterte Mensch hat sich wirklich Mühe gegeben und etwas zu Ende gedacht. In Kleinen wie im Großen. Teilt es mit. Und es wird nicht gewertschätzt, oft nicht einmal verstanden oder den Zuhörern fehlen die Geduld oder andere mentale Kapazitäten, um den Ausführungen zu folgen. Nicht selten auch einfach das Interesse.
Dabei hat das Gesagte so einen großen Mehrwert und echte Substanz!
Dieses Szenario führt häufig zu Wut oder Frust.
Die Fehlannahme auflösen
So wie fast jeder Persönlichkeitstyp, so geht auch der analytische unbewusst erst einmal davon aus, dass andere so sind, wie er selbst. Oder so sein müssten.
Projektion.
In dem Moment, in dem Du es liest – und auch wahrscheinlich schon vorher – ist Dir klar: Das ist naiv.
Die entscheidende Frage ist nun aber:
Wenn andere Personen nicht so sind wie ich selbst – wie sind sie dann?
Und wie erkenne ich sie? Und adaptiere ggf. meine Kommunikation so, dass ich sie erreiche? Oder spare mir die Mühe, ihnen etwas zu erklären?
Für genau dieses Problem möchte ich Dir hier ein einfaches, strukturiertes Modell an die Hand geben.
Es hat mein Leben verändert und mir ist Vieles klar geworden und leichter gefallen.
Viele erfolgreiche Psychologen, Coaches, Trainer … arbeiten mit diesem Modell und haben es sogar für sich angepasst und gebrandet.
Lass uns hineinschauen – denn mit diesem Modell wirst Du nicht nur deutlich effektiver kommunizieren, sondern auch Dich selbst und andere besser verstehen und weniger manipulierbar sein.
Die vier Persönlichkeitstypen
Stell Dir einmal vor: Es gibt vier Grundtypen. Ca 98% aller Menschen sind klar einem bis zwei Haupttypen zuzuordnen.
Entscheidend sind zwei Charaktereigenschaften, die das stärkste Handlungsmotiv und damit auch Werte und Kommunikationsstil bestimmen.
Die vier Quadranten ergeben sich durch die Ausprägungen
- extrovertiert vs. introvertiert
- zielorientiert vs. personenorientiert

Jeder der Quadranten bringt einen spezifischen Persönlichkeitstypen hervor – und die schauen wir uns jetzt einmal grob an, bevor wir besonderen Fokus auf den Analytiker legen und eine konkrete Strategie aufzeigen, wie er sich dieses Wissen zu Nutze machen kann.
Wichtig: Die nun dargestellten Persönlichkeitstypen sind eine überzeichnete Reinform. Fast niemand ist genau so – das tut dem Grundverständnis der Typen aber keinen Abbruch, sondern vertieft es.
Starten wir mit dem Quadranten unten rechts: Introvertiert und personenorientiert:
Der Wal (S – stetig)

Hier finden wir den stetigen, grünen Wal (die Integration der Tiere macht das Modell für viele Menschen bildlicher und zugänglicher). Seine wichtigsten Handlungsmotive sind:
Sicherheit und Harmonie.
Er fragt sich: Wie kann ich anderen helfen? Was haben andere davon, dass es mich gibt?
… und vergisst sich dabei häufig selbst. Grüne Personen sind meist empathisch, freundlich, stehen nicht für ihre Grenzen ein und werden schnell ausgenutzt. Harmonie geht für sie über alles – auch über sie selbst.
Als Analytiker wird Dich entsprechend nicht wundern: Fakten oder die Wahrheit sowie detaillierte Erklärungen sind für grüne Personen weniger interessant als der Kontext und die Art des Vortrags. Eine angenehme Atmosphäre, keine radikale Erschütterung ihres Weltbildes … möglichst wenig Veränderung – und wenn doch: ganz sanft! – sind Schlüsselfaktoren. Später mehr dazu.
Auf einer gemeinsamen Reise wird der grüne, stetige Wal derjenige sein, der fährt, für alle das Essen dabei hat und immer ein offenes Ohr für die Probleme anderer hat.
Kommen wir zu einem lustigeren Zeitgenossen: Dem
Delfin (I – initiativ)
Den gelben Typen findest Du im extrovertiert-personenorientierten Quadranten:

Sein wichtigstes Handlungsmotiv:
Spaß!
Er fragt sich: Wo ist die nächste Party? Wo geht was?
Fokus fällt ihm extrem schwer. Er kann oberflächlich wirken (oder auch sein), ist meist mit vielen Feuerchen zugleich beschäftigt und kurzweiligen Vergnügungen nie abgeneigt. Struktur und Planung sind Fremdwörter zu ihm.
Details und Erklärungen langweilen ihn schnell. Er braucht ständig neue Reize und Action.
Er ist mit Sicherheit der Persönlichkeitstyp, mit dem sich reflektierte, analytische und logische Menschen am schwersten tun – aber von dem sie auch ein großes Geschenk bekommen können.
Auf einer gemeinsamen Reise ist der gelbe, initiative Delfin derjenige, der seinen Koffer packt, wenn man gerade losfahren will und auf jeden Fall eine fetzige Playlist und ein paar Bier dabei hat.
Jetzt geht es allerdings zur Sache:
Der Hai (D – dominant)
Du findest ihn im extrovertiert-zielorientiert-Quadranten:

Seine Hauptmotive sind:
Status, Weiterkommen, Ergebnisse erzielen.
Wie ist ihm dabei in seiner Extremform relativ egal.
Stark überzeichnet fragt er sich: Was habe ich von anderen? Was bringt es mir?
Etwas entwickelter: Was funktioniert? Was ist zielführend?
Er ist extrem zielstrebig und wenn er nicht an sich arbeitet auch unempathisch und rücksichtslos. Dafür ist er allerdings derjenige, der am meisten gerissen bekommt, weil er fokussiert und unbeirrt auf sein Ziel zurennt.
Er kann gut Entscheidungen treffen.
Dafür möchte er nicht alle Details und Informationen, sondern genau die Menge, die für eine solide kalkulierte Entscheidung nötig ist. Zu viele oder ausdifferenzierte Erläuterungen machen ihn aggressiv.
Auf einer gemeinsamen Reise ist der rote, dominante Hai derjenige, dem das Reiseunternehmen gehört.
Kommen wir zum letzten Typen, auf den Du wahrscheinlich schon gewartet hast:
Die Eule (G – gewissenhaft)
Im introvertiert-zielorientierten Quadranten findest Du sie und wahrscheinlich hast Du Dich schon gefragt …

„Moment, wieso ist das nicht auch ein Wassertier? Die anderen sind alle Wassertiere!“
Denn: Die blaue Eule ist der analytische, strukturierte, logische Typ.
Ihre Hauptmotive sind:
Dinge verstehen (in der Tiefe), Strukturen und die Wahrheit erkennen …
… und ja, sie mag auch Effizienz, aber diese leidet bei ihr häufig.
Der blaue Typ ist meist detailorientiert, denkt viel und schnell, will alles verstehen und möchte oft auch, dass andere die Dinge verstehen, die er verstanden hat.
Es ist wichtig, dass Sachverhalte Sinn ergeben und logisch sind.
Er kann gut strukturieren, komplexe Probleme durchdringen, planen und ist absolut zuverlässig.
Ich selbst arbeite so gut wie immer mit Leuten, die zumindest relevante, blaue Anteile haben und kann Dir sagen: Im Meeting sind sie zu 99% auf die Minute genau und wenn sie zu spät sind, werden sie genau begründen, woran das lag.
Um allein in diesem Beispiel zu bleiben: Während ich (grüne und ebenfalls blaue Anteile) mich freue, dass die Person noch gekommen ist, können andere Blaue sie durch die Erläuterungen besser verstehen und sind nicht sauer. Der Rote (Hai) hingegen denkt sich: „Halt die Klappe, damit es weitergeht.“ Der Gelbe (Delfin) denkt sich: „Entspann Dich mal, ich bin doch selbst gerade erst gekommen.“
Blaue sind häufig enorm belesen kompetent. Du findest sie häufig in technischen oder naturwissenschaftlichen Berufen.
Auf einer gemeinsamen Reise hat der Blaue höchstwahrscheinlich die Planung übernommen.
DISG Modell
An dieser Stelle hast Du einen Eindruck von den Typen und kannst sie wahrscheinlich auch recht schnell identifizieren. Nun zum Kern des Ganzen – denn Wissen ist wertlos, ohne Anwendung (ein Satz, der Blaue häufig triggert).
Die Konflikte + Lösungen (PDF)
Ein Roter wird verrückt, wenn der Blaue ihn mit Details überhäuft.
Ein Gelber dreht ebenfalls durch – er braucht Witze und Geschichten!
Und der Grüne ist zwar geduldig und bereit zuzuhören, aber schonend (nicht zur kalt, klar oder direkt).
Typische Fallen und Stolpersteine, auf die Du als analytischer, blauer Typ im Umgang mit anderen Persönlichkeiten immer wieder treffen wirst und wie Du sie von vornherein vermeidest, erfährst Du in diesem kostenlosen PDF:
Herzliche Grüße
Dein Vincent
